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Home Sweet Home Office

Home Sweet Home Office – Was die Pandemie über die Zukunft der Arbeit gelehrt hat

Die Corona-Pandemie hat die Schweizer Arbeitswelt in kürzester Zeit auf den Kopf gestellt. Plötzlich arbeiteten rund 50 Prozent der Erwerbstätigen von zu Hause – doppelt so viele wie noch kurz zuvor. Was als Notlösung begann, entpuppte sich schnell als Chance: Die Produktivität litt kaum, und viele Unternehmen bauten jahrelange Vorbehalte gegenüber dem Home Office ab.

Doch wie geht es weiter, jetzt wo die Pflicht gefallen ist? Das glp lab skizziert in seinem Diskussionspapier Home Sweet Home Office (2021) konkrete politische Massnahmen, um flexible Arbeitsmodelle nachhaltig zu verankern.

👉 In unserem Diskussionspapier findest du weitere Informationen zum Projekt

Steuerliche Anreize umdenken

Der bestehende Pendlerabzug belohnt lange Arbeitswege – ein Fehlanreiz, der Verkehr und Infrastruktur belastet. Das Papier schlägt vor, diesen durch einen Home Office-Abzug von bis zu 3’000 Franken zu ergänzen. Wer regelmässig von zu Hause arbeitet, soll steuerlich davon profitieren. Parallel dazu soll das Arbeitsrecht angepasst werden: Arbeitnehmende sollen ein hybrides Arbeitsmodell beantragen können, und Arbeitgeber müssen eine Ablehnung begründen.

 

Psychische Gesundheit ernst nehmen

Wenn Wohnzimmer und Büro eins werden, verschwimmen auch die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Selbstorganisation und klares «Boundary Setting» werden zur Schlüsselkompetenz. Das glp lab fordert deshalb, den Begriff der psychischen Gesundheit explizit ins Obligationenrecht aufzunehmen und Arbeitgeber zu präventiven Massnahmen zu verpflichten. Ein bundesweites Schwerpunktprogramm «Mentale Gesundheit» soll Unternehmen bei der Sensibilisierung unterstützen.

 

Cybersecurity als Gemeinschaftsaufgabe

Wer zuhause arbeitet, ist auch zuhause angreifbar. Die Schweiz hat mit dem NCSC bereits eine Grundlage geschaffen – doch das föderale System bremst die Umsetzung. Das Papier plädiert für verbindliche, zentrale Cybersecurity-Standards: obligatorische Schulungen, technische Mindestanforderungen und eine Meldepflicht bei Cyberangriffen.

 

Grenzgänger:innen nicht vergessen

Über 300’000 Grenzgänger:innen arbeiten in der Schweiz. Für sie ist Home Office eine rechtlich komplexe Angelegenheit – Fragen zu Steuern, Sozialversicherungen und Arbeitsrecht sind noch längst nicht abschliessend geregelt. Das glp lab fordert pragmatische bilaterale Lösungen mit den Nachbarstaaten und eine aktive Beteiligung der Schweiz an europäischen Regelungsprozessen.

 

Fazit

Home Office ist kein Trend, der wieder verschwindet. Es ist eine strukturelle Verschiebung, die politische Antworten braucht. Das Diskussionspapier des glp lab liefert dafür einen konstruktiven Ausgangspunkt – und erinnert daran, dass flexible Arbeit nur dann wirklich funktioniert, wenn die rechtlichen, steuerlichen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen mitgedacht werden.